Lernen am Raum: Eine Exkursion zum Ludwig Erhard Zentrum als Case Study

Wie stellt man einen Bundeskanzler aus? Ludwig Erhard, der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, eine wichtige politische Figur der deutschen Nachkriegszeit … Seine Geburtsstadt Fürth erinnert an ihn. Aber wie und auf welche Weise? – Das interessiert nicht nur Raum- und Eventdesign …

„Wie macht man Geschichte erlebbar?” … und andere Fragen der Erinnerungskultur

Welche Exponate erzählen heute noch von ihrer ursprünglichen Bedeutung? Was an einem Ort macht ihn zu einem besonderen Ort? Was haben Räume mit Historie zu tun?

Mit solchen und anderen Fragen der Erinnerungskultur beschäftigt sich das Modul Raum- und Eventdesign im sechsten Semester. Um die eigenen Fragestellungen und die dazugehörigen Gestaltungsantworten zu finden, machen wir uns auf ins Ludwig Erhard Zentrum nach Fürth, auf der Suche nach Spuren eines berühmten Politikers. Den gerade junge Menschen kaum mehr auf dem Schirm haben.

Ludwig Erhard. Geboren 1897, in einem Wohn- und Geschäftshaus in der Sternstraße 5 in Fürth. Und das nach ihm benannte Zentrum, … ein imposanter Anbau, direkt hinter dem Fürther Rathaus, versteht sich als Begegnungsstätte, Forschungs- und Dokumentationszentrum.

Uns interessiert besonders das Ausstellungsdesign und die Erzählweise des Museums, das sich über zwei Gebäude erstreckt. Vor dem Eingang empfängt uns eine Armee aus sehr kleinen Erhard-Figuren. Ist das schon ein Kommentar?

Für uns ergeben sich daraus die Fragen: Wo beginnt die Ausstellung eigentlich? Schon vor dem Gebäude? Genau hier, oder bereits in unseren Köpfen?

Aus dem modernen Eingangs-bereich wird man gleich wieder auf die Straße zurück-geschickt. Aber nicht ohne vorher mit einem Aufkleber als Besucher*in des LEZ markiert zu werden.

Und so können es alle sehen: Wir haben uns dafür entschieden, uns damit zu beschäftigen. Wir wollen etwas erfahren.

Was lässt uns in die Geschichte eintauchen?

Dann geht es hinein in eine andere Zeit, repräsentiert durch abstrahierte Tapetenmuster, Audio-Mitschnitte. Originale und originelle Artefakte liegen in aufwendig ausgeleuchteten Vitrinen mit einer themenbezogenen Formensprache.

Und was das mit Menschen und ihrem Leben zu tun hatte, zeigen verschiedene Exponate und Elemente der Ausstellung und Ausstellungsgestaltung. Wie etwa eine schnell laufende Uhr, die uns demonstriert, wie heftig sich Inflation auswirkt, wie sich beispielsweise die Preissteigerung für ein Kilo Kartoffeln im Jahr 1923 entwickelte.

Der Blick zurück in die Geschichte ist grafisch und medial anspruchsvoll aufbereitet. Und über zwei Geschosse hin werden wir von Raum zu Raum geleitet, unterhalten, informiert und zum Teil auch schockiert. Denn viele Themen, die vor Jahrzehnten und teils vor über hundert Jahren aktuell waren, bewegen uns noch heute.

Da ist der Erste Weltkrieg. Da sind die umkämpfte Weimarer Republik und die Weltwirtschaftskrise. Da ist der Aufstieg der nationalsozialistischen Diktatur. Da ist ein erneuter Weltkrieg. Und da ist der schwierige Neu-Anfang der Demokratie auf deutschem Boden.

Ein Blick in die Dauer-Ausstellung des Ludwig Erhard Zentrums

Zur neueren Geschichte und einem Ausblick werden wir dann wieder zurück ins Haupthaus geleitet. Jetzt sind wir schon deutlich näher dran an unserer eigenen Zeit. Einige Ausstellungsobjekte kommen den Studierenden sogar bekannt vor. „Cooles Radio!” – „So einen Nierentisch gabs neulich auf dem Flohmarkt.“ …

Nun begleiten wir Ludwig Erhard und sein Leben drei Stockwerke hinauf, durch die Nachkriegszeit, den Wiederaufbau und durch viele weitere politische Stationen seines Lebens. Alles wird dicht erzählt und ausgestellt, dargeboten und untermalt.

Um Heldenverehrung geht es dabei nicht. Denn was hatte Erhard denn zu tun mit dem „Wirtschaftswunder”, als dessen „Vater” er galt? Wie verhielt er sich zur ”Sozialen Marktwirtschaft”? Und wie ging man damals um mit dem Erbe des Nationalsozialismus?

Ganz oben angekommen, werden wir über eine raumfüllende Projektion mit aktuellen Fragestellungen konfrontiert. Hier ist genug Raum für Diskussionen. Wir merken: Es ist viel zu viel für einen einzigen Besuch. Vielleicht einmal wiederkommen? Und noch mehr entdecken?

Aber erst einmal zurück in unser Leben. Und so betreten wir, angeregt und inspiriert und mit Mut für und Lust auf eigene Design-Entscheidungen, die angrenzende Fußgängerzone. Ein paar Studierende schlüpfen dann noch ins Café Luise, das übrigens nach der Frau Ludwig Erhards benannt wurde und heute seinen Platz hat im ehemaligen Textilgeschäft der Familie Erhard. – Geschichte überall.


Text: Christine Albert, Max Ackermann
Bilder: Christine Albert, Ludwig Erhard Zentrum

5. Dezember 2022

Ein Vortrag des Comic-Künstlers Jeff Chi – Projekt, Verlag und Szene

Prof. Sybille Schenker konnte Jeff Chi für einen Vortrag in den Räumen des DESIGNVEREINS gewinnen. Ein Abend für alle, die sich wirklich für Comics interessieren. Und vielleicht gar selber welche machen wollen.

Jeff Chi ist ein Absolvent unserer Fakultät, hat bei uns u.a. Illustration und Verbale Kommunikation studiert. Mehr zu ihm und seiner Arbeit übrigens hier und da.

An diesem speziellen Abend wird er von seinem großen und mittlerweile preisgekrönten Comic-Projekt Who’s the Scatman?“ erzählen. Aber eben auch von der deutschsprachigen Comicszene, von Vernetzung, Verlagen, Möglichkeiten und Erfahrungen.

Wir bedanken uns – mal wieder – beim DESIGNVEREIN.

BTW … wer den DV-Space oder gar den DESIGNVEREIN immer noch nicht kennt, könnte die Gelegenheit nutzen, mal mehr darüber zu erfahren. … Denn der DESIGNVEREIN ist als Verband der Alumnis der Fakultät verbunden – und der DV-Space ist ein faszinierender Platz für Ausstellungen, Co-Working und Begegnungen von Designer*innen, von aktuell Studierenden und Ehemaligen.

ACHTUNG: Es gibt vor Ort nur etwa 30 Plätze.

Datum: Donnerstag, 8. Dezember 2022 – Beginn: 19:00 Uhr
Ort: DESIGNVEREIN – DV-Space … Humboldtstraße 105, 90459 Nürnberg
Vortrag: Circa eine Stunde, mit anschließender Möglichkeit des Austauschs im DV-Space


Text: Max Ackermann
Bild: Jeff Chi und der Zwerchfell-Verlag

29. November 2022

Radikale Zärtlichkeit ausstellen

Und wieder einmal eine Ausstellung, doch diesmal nicht eine mit Abschlussarbeiten wie die Werkschauen, von Semesteraufgaben (wie Design Topics) oder eines Moduls (wie ohmformat), sondern: die von zwei Studierenden.

„Radikale Zärtlichkeit meets gnadenlose Ehrlichkeit”

Unter diesem Titel zeigen Sara Henkel und Tanja Röser Werke, die auf ein bestimmtes Buch reagieren, auf „Radikale Zärtlichkeit – warum Liebe politisch ist“ von Şeyda Kurt.

Vielleicht erinnern sich ja die eine oder der andere noch daran …

Dieses Buch war schon einmal Thema an der Fakultät, nämlich in Form einer Posterserie für eine „Nacht der Radikalen Zärtlichkeit”. Hier warben Studierende aus dem Modul Grafik Design mit typografisch gestalteten Plakaten für ein Event mit der Autorin Şeyda Kurt.

Zum Hintergrund

Mit ihrem Projekt  „OHMYLOVE – Technologie trifft Zärtlichkeit“ gewann die Technische Hochschule Nürnberg  bei der Initiative „Eine Uni – ein Buch“.

Nun lesen in zwei Semestern – im Idealfall – möglichst viele, wenn nicht gar alle Hochschulangehörigen gemeinsam ein Buch. Und die Wahl fiel interessanterweise auf ein Werk, das Liebe als etwas Politisches beschreibt.

Liebe als etwas, in dem es nicht nur Leidenschaft und Sehnsüchte gibt, sondern auch Machtverhältnisse und Zuschreibungen, Vorurteile und quälende Erwartungen, von Geschlechterrollen und Gender-Fragen, Medien-Mustern und Schönheitsidealen, über Anspruchsdenken und Arbeitsbelastung bis hin zu Hierarchien und Gewalt.

Denn Liebe ist nicht nur, was wir fühlen, sondern auch das, was wir fühlen wollen, das, von dem wir glauben, wir müssten es, wir sollten es, wir dürften es.

Und eben davon handelt auch diese Ausstellung … die nach der Eröffnung am zweiten Dezember noch bis zum 15. Dezember 2022 zu sehen sein wird. Und zwar gleich hier, in den Räumen der Fakultät Design.


Text: Max Ackermann
Bilder: Sara Henkel und Tanja Röser

29. November 2022

Ehemaliger Professor der Fakultät Design jetzt Vize-Präsident der Hochschule für Fernsehen und Film München

Wir gratulieren … Prof. Jürgen Schopper ist nun als Vize-Präsident Teil der Hochschulleitung der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München. – Schopper war nach einer Teilabordnung von der TH Nürnberg im April 2021 schließlich als Professor an die HFF berufen worden. Er ist dort verantwortlich für den Studienschwerpunkt VFX.

Vize-Präsident Prof. Jürgen Schopper (geb. 1968) studierte Malerei, Design und Digitale Bildgestaltung. Er war als freier Computeranimator und als Production Designer für Film- und TV-Produktionen tätig, ehe er 1995 bei 20th Century Fox als Computer Animation Artist für INDEPENDENCE DAY beschäftigt war. Der Film erhielt 1996 den Oscar für die besten visuellen Effekte.

Wieder zurück in Deutschland wurde Jürgen Schopper bei ARRI Film & TV als Visual Effects Supervisor unter Vertrag genommen. In Folge wurde ihm die neu geschaffene Position als Creative Director für VFX übertragen. In dieser Funktion betreute er vor allem Spielfilmproduktionen, aber auch Fernsehfilme, TV-Serien und Großevents. Für seine Arbeiten erhielt er noch viele weitere Preise und Auszeichnungen. Als Referent ist Prof. Jürgen Schopper an Hochschulen sowie auf Messen und Fachkongressen tätig und schreibt Artikel für Magazine und Fachzeitschriften. – Schopper ist auch Mitglied der Deutschen Filmakademie, in der Sektion Visual Effects.

Im Jahr 2001 wurde Jürgen Schopper als Professor an die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm berufen.

Dort leitete er an der Fakultät Design das Modul FILM & ANIMATION und initiierte das Filmfestival ohmrolle im größten Kino Nürnbergs, das zur Karrierebühne für viele Studierende wurde. Eine große Anzahl seiner Absolvent*innen ist inzwischen selbst beim Film tätig, weltweit und erfolgreich, insbesondere auch im Bereich Visual Effects.

Schon seit Oktober 2019 war Prof. Jürgen Schopper im Rahmen einer Teilabordnung von der TH Nürnberg an die HFF München an der Entwicklung des neuen Studienschwerpunktes VFX beteiligt. Im Mai 2020 erteilte das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst dann sein Einvernehmen zur Errichtung des Studienschwerpunkts „Bildgestaltung mit Schwerpunkt Kinematografie oder mit Schwerpunkt Visual Effects“ auf der Grundlage des von der HFF vorgelegten Konzepts. Im Oktober 2020 begannen dort die ersten Studierenden.

Im April 2021 übernahm Jürgen Schopper schließlich die Professur des Studienschwerpunkts VFX. Nun wurde er vom Hochschulrat der HFF München einstimmig zum Vize-Präsidenten gewählt.

Prof. Jürgen Schopper: „Der Studienschwerpunkt VFX ist … erfolgreich gestartet und mittlerweile mit nahezu allen Abteilungen … bestens verzahnt. Gerade diese abteilungsübergreifende Zusammenarbeit fand ich besonders spannend und zielführend …, da sie Horizonte öffnet.”

Und noch die Präsidentin der HFF Prof. Bettina Reitz: „Mit Jürgen Schopper haben wir nicht nur einen renommierten und preisgekrönten Creative Art Director, sondern auch einen langjährigen engagierten Hochschullehrer als Vizepräsidenten gewonnen. Jürgen Schopper hat den neuen Studienschwerpunkt Visuelle Effekte (VFX) an der HFF München maßgeblich mit angestoßen, konzipiert und aufgebaut. Unter seiner Leitung ist der Studienschwerpunkt Visuelle Effekte (VFX) … sehr erfolgreich gestartet. Dabei konnte er auf seine eigene langjährige Berufstätigkeit, seine zahlreichen Kontakte in die Branche und seine Erfahrungen beim Aufbau eines Studiengangs zurückgreifen. Bereits an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule hat er erfolgreich das Studienfach „Film & Animation” aufgebaut und lange Zeit geleitet. Aus dieser Zeit bringt er auch umfangreiche Erfahrungen in der Hochschulgremienarbeit mit, war u.a. bereits Dekan.”

Wir wissen das, freuen uns für ihn – und auf eine mögliche Zusammenarbeit.


Text: Max Ackermann – Anja Klinke
Bild: Jürgen Schopper – und ein Foto aus den Beständen der Faktultät Design

29. November 2022

Exkursion zu adidas – Entdeckungen für Raum- und Eventdesign

Nun, nach zwei Jahren unfreiwilliger Pause durch Corona, geht es wieder weiter: Wunderbarerweise öffnen sich uns erneut die Tore zum Weltkonzern adidas. Zeit für eine Exkursion, Zeit für einen Bericht … Zeit für ein paar Blicke hinter die Kulissen.

In der Eingangshalle des neusten Schmuckstücks der weitläufigen Firmenarchitektur empfängt uns Matthijs Mathlener. Er ist Senior Director Omni-Channel Marketing bei adidas. Und auf bequemen Sofas kommt die Gruppe zusammen, diesmal Studierende aus dem vierten Semester Raum- und Eventdesign (aktuelles Thema: „Markenbegegnung im Raum”) und aus dem sechsten Semester (aktuelles Thema: „Ausstellungsdesign”).

Ein Ausflug zum MakerLab von adidas

Nach einer kurzen Einführung dürfen wir über Trampolins zum LACES-Gebäude springen. Dort empfängt uns Jordi Closa („Als multidisziplinärer Gestalter bin ich leidenschaftlicher Upcycler”) im hauseigenem MakerLab.

Leider ist in seiner inspirierend farbenfrohen Werkstattumgebung Fotografieren nicht erlaubt. Wie so oft auf dem Gelände: „Geheimhaltung, Prototypen …” Aber auch wenn es keine Bilder davon gibt: Tatsächlich stellen manche fest, dass vieles, was hier verfügbar ist und täglich genutzt wird, 3D-Drucker, Lasercutter usw., auch an unserer Fakultät vorhanden ist und durchaus ähnlich verwendet wird.

Übers Gelände der „World of Sports”

Vorbei an einer Inhouse-Ausstellungsfläche, verlassen wir das Gebäude und schwingen uns auf die bereitstehenden Firmenfahrräder.

So können wir auch das etwas abseits gelegene HOME GROUND-Gelände erreichen, das als Trainingshotel der Fußball-Nationalmannschaft fungiert.

Es war wirklich ein Blick hinter die Kulissen

Das Kernstück unseres Ausflugs steuerten wir dann als Nächstes an. Vorbei an einem neuen Trainings-Swimmingpool radelten wir zum ACC. Hier werden in einer halb im Boden versenkten Halle, mit immerhin 1600 Sitzplätzen, Screens, Projektoren, Showrooms, einem eigenen Museums-Walk und Filmstudio, die neuesten Kollektionen von adidas präsentiert. Und den Einkäuferinnen und Einkäufern aus aller Welt werden genau hier die kommenden Trends und Styles vorgestellt.

Zugegeben, wir mussten uns sehr konzentrieren, nicht nur auf die Collection des Sommers 2023 zu achten, sondern auf die Präsentation der selbigen. Genau hinzusehen und zu analysieren, wie das alles funktioniert. Ja, richtig: „Fotografieren verboten!” Aber dafür konnten wir unseren Experten, der für alle deutschsprachigen Läden von adidas zuständig ist, mit Fragen löchern.

Der Höhepunkt für manche war allerdings die Essensauswahl im durchgestylten HALFTIME-Gebäude. Unsere Gutscheine konnten für („wirklich riesige”) Pizzen, Salat-Bowls oder auch andere Köstlichkeiten eingetauscht werden. Umgeben von, mit Pflanzen bewachsenen Wänden und angespornt von grafischen Darstellungen von Heldinnen und Helden des Sports, wäre vielleicht eine abschließende Joggingrunde angebracht gewesen. Einige holten sich aber lieber einen Nachtisch.

Ob oder wie sehr der berühmte Sportartikel- und Lifestyle-Konzern für unsere Studierenden nun auch als möglicher, zukünftiger Arbeitgeber in den Fokus gerückt ist, bleibt abzuwarten. Inspirierend war unser Ausflug in jedem Fall. Und nicht nur, weil selbstverständlich auch die Semesterarbeiten in Raum- und Eventdesign von diesem Einblick profitieren werden.


Text: Christine Albert, Max Ackermann
Bilder: Christine Albert, adidas

28. November 2022

Eine neue Masterclass – SCHULE DES SEHENS I

Wie weit muss, darf und soll man gehen, um aus dem wirklichen Leben eine spannende Geschichte zu gestalten?

Film lesen lernen: Dokumentarfilm

Dokumentarfilm lesen lernen – das erwartet Sie bei der unterhaltsamen Masterclass mit Maya Reichert, Filmregisseurin und Festivalmacherin (DOK.fest München). Die Absolventin der Hochschule für Fernsehen und Film München führt ein in die gestaltenden Stilmittel der Filmsprache, die aus der Wirklichkeit ganz großes Kino machen können. Im Gepäck hat sie einen oscarnominierten Kurzfilm, Techniken der Filmanalyse und wertvolle Informationen fürs eigene Filmemachen – plus das Versprechen, dass der Blick der Teilnehmenden auf dokumentarische Filmformen nie mehr derselbe sein wird.

Die Referentin – Maya Reichert

Maya Reichert studierte Dokumentarfilmregie an der HFF München, wo sie anschließend in der Abteilung Drehbuch bei Prof. Doris Dörrie arbeitete. Sie arbeitete viele Jahre für zahlreiche Werbefilmproduktionen Münchens und führte Regie für lange Dokumentarfilme wie SCHWESTER DOROTHEA (BR) oder JUST ANOTHER DAY IN PARADISE (Kino). Seit 2013 leitet sie den ganzjährigen Bildungsbereich DOK.education des Internationalen Dokumentarfilmfestival München. Sie unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen für Multiplikatoren und Filmschaffende.

Termin: Vortrag und Diskussion – 24. November 2022, 17:30 – 19:30 Uhr


Text: Maya Reichert, Lucie Scharbatke
Bild: DOK.fest München

14. November 2022

Dozerdraws – ein Absolvent der Design Fakultät zeichnet für namhafte Studios

Marvel, DC, Darkhorse, Mad Cave oder Boom!Studios. Das sind allesamt namhafte Comicstudios. Namen, die jedem Fan wie Schokolade auf der Zunge zergehen. Und viele träumen davon, eines Tages in die Fußstapfen von Comic-Größen wie Stan Lee, Hergé oder Morris zu treten. … Doch einige sind auch skeptisch und fragen sich: Wo kann ich die Grundlagen erlernen (in Nürnberg?) Und kann ich Geld damit verdienen? Beides ist möglich.

Das Know-how erlernt man an der Fakultät Design der TH Nürnberg unter anderem in den Modulen Illustration und Film & Animation. Zwei von 11 Modulen, die an der Fakultät Design gewählt werden können. Und, dass das einen Comiczeichner auch beruflich weit bringen kann, zeigt uns Damian Thüring aka Dozerdraws. Ein Absolvent der Fakultät Design, der mittlerweile für renommierte Comicstudios wie den Boom!Studios und Mad Cave arbeitet und sich damit einen Traum verwirklicht hat.

Der Comickünstler Dozerdraws – hier mit den Wrestlern Cesaro und Sheamus.

Vom Hobby zum Beruf

Bevor er sein langjähriges Hobby zum Beruf machen konnte, musste er erst einmal viele Kenntnisse erwerben und verfestigen, auch in Bereichen wie Anatomie, Aktzeichnen, Farbenlehre, Perspektive oder Komposition. Und genau hier hat ihm sein Studium in Nürnberg geholfen. Das Modul Illustration bietet sämtliche Kurse an, die die Grundlagen der 2D-Bildgestaltung vermitteln. Zusätzliches Wissen bekam er im Modul Film- und Animation, wo er sein Know-how auch auf bewegte Bilder übertragen konnte. Im Laufe der Zeit entstand so ein Portfolio, das ihm seinen ersten größeren Auftrag bescherte, weil es einen interessanten Autraggeber überzeugte.

So hat Dozerdraws für die legendären Boom!Studios Lumberjanes gezeichnet, ein Comic, bei dem es um eine Gruppe von fünf Mädchen namens Mal, Ripley, Molly, April, und Jo, geht, die ihre Ferien in einem Sommercamp verbringen und dort übernatürlichen und seltsamen Kreaturen begegnen. Dabei musste er keine neuen Charaktere erfinden, sondern konnte die Figuren in seinem persönlichen Stil umsetzen.

Der Umfang des Comics betrug acht Ausgaben à 22 Seiten. Comicexperten wissen: Das sind mindestens 220 Panels, also 220 Einzelbilder. Daran arbeitete er ein ganzes Jahr! „Ich habe einiges gelernt, was Panel-Aufteilung und Layout betrifft und vor allem hat es mir wahnsinnig viel Spaß gemacht”, sagt der sympathische Nürnberger, der mit seinen blauen Haaren, selbst wie eine Comicfigur wirkt – und das im absolut positven Sinn.

Figuren zum Leben erwecken

Auf die Boom!Studios folgten dann kleinere Freelance Jobs und schließlich ging es zu den Mad Cave Studios, die mit internationalen Künstlern zusammenarbeiten und ihren Schwerpunkt auf meisterhaft illustrierte Comics legen. Im Vordergrund stehen dabei Character Designs und Storytelling. Insbesondere Storytelling hat er sich im Modul Film angeeignet, in dem man ja unter anderem Storyboards und Charactersheets anfertigen muss und sich mit dem zeitlichen Verlauf einer Geschichte auseinandersetzt.

Für die Mad Cave Studios durfte er an der Last Session Serie arbeiten. „Das war eine komplett neue Serie für die noch keine Character Designs feststanden, also konnte ich mich da gemeinsam mit der Autorin austoben und ihre Figuren zum Leben erwecken. Mir fällt es irgendwie immer leichter, wenn jemand anderes für die Story zuständig ist und ich mich nur aufs Design konzentrieren kann. Für fünf issues à 22 Seiten war ich da ziemlich genau ein Jahr beschäftigt“, erklärt Dozerdraws.

Gegen Ende der Produktion von The Last Session erhielt Damian vom gleichen Verlag bereits die nächste Anfrage: eine rund 180 Seiten lange YA Graphic Novel namens Paper Planes. Die grobe Storyline stand bereits und nach den Character Designs und der allgemeinen Stilfindung für das Buch, hatte Dozerdraws die ersten Skripte bekommen. Danach konnte er mit dem Zeichnen so richtig loslegen, denn er musste sich nicht erst um die Story kümmern. Die war ja schon vorgegeben.

Paper Planes handelt von zwei besten Freunden, Leighton Worthington und Dylan Render. Die beiden verbringen über den Sommer in einem Camp für Problemkinder. Die im Camp verbrachte Zeit zwingt sie auf eine Reise, um herauszufinden, wer sie sind und wer sie sein wollen. Paper Planes wird es nächstes Jahr, ab Mai 2023 zu kaufen geben. Ganze zwei Jahre hat das fertige Buch in Anspruch genommen.

Andere Hobbys?

Sicherlich: Doch auch in seiner Freizeit verbringt der Künstler viel Zeit mit dem Zeichnen. Am liebsten lässt er sich von seinen Lieblingsserien, Filmen und Medien inspirieren und kreiert dazu unglaublich viel Fanart. Nicht selten entsteht dadurch der Kontakt zu manchen Schauspieler*innen, Sportler*innen und Produktionsfirmen, die ihm weitere Aufträge bescheren.

Zwei Sportler, die er mit seiner Kunst begeistern konnte, waren die Wrestler Cesaro und Sheamus. Der Nürnberger überreichte den beiden Spitzensportlern bei der Comic Con in Wales ein Fancomic, in dem ihre gesamte gemeinsame Laufbahn bei der WWE nochmal gezeigt wurde. „Die Beiden haben sich mega darüber gefreut“, erzählt Dozerdraws.


Mittlerweile begeistert und inspiriert Dozerdraws mit seinen Arbeiten Tausende von Fans. Auf seinem Instagram-Account hält er seine Follower regelmäßig auf dem Laufenden. Und auch seinen Comic The Last Session kann man in Nürnberg erwerben, im Ultra Comix.


Text: Thuy An Nguyen und Giuseppe Troiano
Bilder: Dozerdraws

13. November 2022

Design und Inklusion – eine Absolventin in der PAGE

Was mal eine Bachelorarbeit war, hat jetzt eine der wichtigsten Design-Zeitschriften Deutschlands aufgegriffen, die PAGE.

Cornelia Pock

Landschaften der Normalität. Behinderung jetzt

Wann gilt man hierzulande eigentlich als „behindert“? Was heißt das? Und ist dieses Wort überhaupt angemessen? Wie kommt es zu einer Beeinträchtigung und welche Formen gibt es? Und wie sehr wird man in Deutschland dadurch immer noch ausgegrenzt?

Was können (und sollten) wir über Bedürfnisse, Lebenswelten und Persönlichkeiten von Menschen mit Behinderung erfahren? Und was fördert echte Integration?

Das „fotoillustrierte Sachbuch” mit verschiedenen Porträts von Betroffenen informiert darüber und zeigt, warum wir nicht längst schon in einer inklusiven Gesellschaft leben.

Hier kommen endlich Menschen zu Wort, die das angeht. Aber letztlich geht es uns ja alle an.

Mehr dazu noch auf der eigenen Website der Studierenden.


Text: Cornelia Pock, PAGE, Max Ackermann
Bilder: Cornelia Pock

10. November 2022

Was wäre, wenn …? Eine Stadt probt ihren Untergang

Die Fakultät Design ist dem Urban Lab, dem Zentrum für partizipative Stadtentwicklung, verbunden. Man denke nur an Sebastian Schnellbögls Bachelorarbeit, aus der „Stadt für alle” folgte, eine Mischung aus Konferenz und Festival.

So freuen wir uns auch, auf eine aktuelle Einladung hinweisen zu können: auf einen „Krisen-Jam” im Rahmen von „Was wäre, wenn …? Eine Stadt probt ihren Untergang”.

Ein Projekt, das uns begreifen und mittun lässt

Es fällt Menschen und Gesellschaften, auch Städten nicht leicht, sich mit Bedrohungen auseinanderzusetzen. Der Klimawandel zeigt das nur allzu deutlich. Auch wenn es spürbar heißer wird, wirkt für viele immer noch schwer greifbar und abstrakt, was da eigentlich geschieht.

Das Pilotprojekt Was wäre, wenn …? – Eine Stadt probt ihren Untergang der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik ändert dies. Indem es die Bedrohung ins Hier und Jetzt holt und damit eine Bearbeitung durch die Stadtgesellschaft ermöglicht. Die sich den nahenden Problemen, wenn möglich, rechtzeitig stellt.

Denn hier geht es um eine hilfreiche Verknüpfung von Design und Prototyping, Konzeption, Beratung und Begleitung, Projektumsetzung, Studien und Analysen, Workshops, Koproduktion und Partizipation, Social Entrepreneurship, Urbane Räume und Wissenschaft.

Was heißt das?

Die Bürger*innen der Stadt Nürnberg werden mit der Zukunftsvorstellung einer extremen Hitzewelle bzw. Dürre konfrontiert, wie sie im Jahr 2035 eintreten könnte.

Die (noch) fiktive Krise basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Szenario. Aber durch fiktionale Berichterstattung und öffentliche Interventionen im urbanen Raum wird sie für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt zu einer erlebbaren Geschichte.

Gleichzeitig ergeht ein Aufruf an alle, die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft der Stadt, schon jetzt Lösungen zu entwickeln, damit sich Nürnberg besser auf zukünftige Veränderungen vorbereiten kann.

Wann und wo?

Krisen-Jam – Es wird heiß!
Samstag, den 19. November 2022
10:00 bis 16:00 Uhr
Kulturwerkstatt auf AEG
Fürther Straße 244d


Text: Urban Lab, Max Ackermann
Bild: Urban Lab

10. November 2022

FORUM Nr. 01 – neoteric living space. Ein Ausstellungsevent, entstanden aus einer Bachelorarbeit

Was einmal eine Bachelorarbeit war, wird jetzt umgesetzt. Im Sommersemester 2022 war das noch ein Plan, ein Konzept, eine Studie, erste Bilder und Objekte, ein Magazin als Katalog und das Knüpfen eines Netzwerks. Jetzt findet das Ausstellungsevent FORUM Nr. 01 – neoteric living space tatsächlich statt, und zwar vom 4. – 6. November 2022 im SB – SPACE BETWEEN in Nürnberg Steinbühl.

Wie wohnen und leben wir mit der Natur?

Diese erste Ausgabe des Infotainment- und Gesprächsformats FORUM befasst sich mit dem Themenkomplex Wohnen, Leben, Natur. Und deshalb auch mit den Fragen …

Wie kann die Natur als Quelle und Ressource genutzt werden? Um Stadtentwicklung, Architektur, Wohnen (und das Leben an sich) in Zukunft nachhaltig und mit hoher Lebensqualität zu gestalten? — Wie fühlt sich überhaupt die heutige Stadt an? — Wie empfinde ich, im Kontrast dazu, die Natur? Und weshalb ist sie für die physische wie auch psychische Gesundheit des Menschen so unabdingbar?

Dazu eröffnet das Ausstellungsevent verschiedene Wege: … Es präsentiert Experimentelle Ansätze, künstlerische Auseinandersetzungen, reale Projekte und Initiativen aus der Architektur und Stadtplanung, eine Live-Performance und vieles mehr.

Mit dabei sind unter anderem: … der Künstler und Architekt Markus Jeschaunig (Graz, Österreich), die Materialdesignerin und Researcherin Austeja Platukyte (Litauen), das Architekturbüro büro für bauform (Nürnberg), die Designerin und Künstlerin Paula Eberle (Nürnberg), die Initiative Stadtkanal Nürnberg-Fürth und Signal Weltfunk (Nürnberg), former: das Computer Abuser Label und Kollektiv für Musik und mediale Künste, mit einer audiovisuellen Live-Performance.

Die Einladung steht … zu einem niedrigschwelligen Opener zwischen Kunst und Ökologie, (Social) Design und Politik, zu einem Besuch und Gesprächen in lockerer Atmosphäre, mit Bierchen und Musik.

Denn so wollen die Macher*innen Impulse setzen und mit ihrem Ausstellungsevent einen möglichst guten Zugang zu einer Thematik bieten, die uns alle betrifft, jetzt, und in Zukunft noch mehr.

Einen Besuch wert – hier: die Daten

SB SPACE BETWEEN – 04.11.2022 – 06.11.2022

FR: 18:00 – 00:00 Uhr (Vernissage + Audiovisuelle Live Performance von Signal Weltfunk aus Nürnberg)
SA: 16 :00- 00:00 Uhr (+ DJs)
SO: 12:00 – 20:00 Uhr (Finissage)
Ort: Steinbühlertunnel 1 – 90443 Nürnberg – @spacebetween in Nürnberg Steinbühl –
Weitere Infos … etwa auf Instagram: @forum_nr.01

Und noch ein wenig mehr zum Hintergrund – einer Bachelorarbeit

Was hier von Luisa Kraetzschmar und Antonia Reinhardt als Bachelorarbeit konzipiert wurde, wird nun Wirklichkeit. Was die Absolventinnen an unserer Fakultät, in Raum- und Eventdesign, Computer generated Object Design (CGO), Fotografie und Grafikdesign anlegten, setzen sie jetzt um, nämlich ein „neuartiges Format für ein mehrtägiges Infotainment-Event”. — Denn …

„Wie schaffen wir es, gesamtgesellschaftlich relevanten Themen unserer Zeit und unserer Generation Raum zu geben? Sie erlebbar und fühlbar zu machen? Vielschichtig, modern und knackig verpackt?”

Und weiter schreiben sie:

„Mit FORUM wird ein neuartiges Format aus Ausstellung, Installation, Live Performance und Wissensvermittlung kreiert. Ein Grundgerüst für ein mehrtägiges Infotainment-Event mit zugehörigem Magazin: Es werden Begegnungen geschaffen, Dialoge miteinander und mit der Thematik. Ein Opener. Ohne mit dem Finger zu zeigen. Neudenken. Für den Fortschritt in und um uns.”


Text: Luisa Kraetzschmar, Antonia Reinhardt, Max Ackermann
Bilder: Luisa Kraetzschmar, Antonia Reinhardt

29. Oktober 2022