Designers’ Circle: Design-Journalismus und aktuelle Trends

Der Designers’ Circle machte diesmal im Villibald Station und widmete sich mit Sonja Pham einer Perspektive auf Gestaltung, die selten im Zentrum steht: dem Designjournalismus. Ausgangspunkt ihres Vortrags war die Frage, wie ein neues, unabhängiges Printmagazin heute entstehen kann und welche Haltung es dafür braucht.

Sonja zeichnete ihren eigenen Weg vom Musikjournalismus zum Kommunikationsdesign nach, der am Ende dazu führte, dass sie begann, über Gestaltung zu schreiben. Früh prägten Projekte wie das ehrenamtliche Superpaper in München ihren Zugang: Ein DIY-Verständnis von Journalismus, das bis heute nachwirkt. Auch Projekte wie die Makers Bible oder ihre Arbeit für Nomad erweiterten ihren Blick auf Design, insbesondere in seiner kulturellen und ökonomischen Dimension.

Mit dem Verkauf der novum im Jahr 2020 folgte ein Bruch, aus dem unmittelbar Neues entstand: Die Gründung eines eigenen Verlags und des Grafikmagazins. Das dazugehörige Crowdfunding diente nicht nur der Finanzierung, sondern auch der inhaltlichen Strukturierung und dem Aufbau einer Community, die sich heute regelmäßig auf der Creative Paper Conference an der Schnittstelle von Druck und Design trifft. Gestaltung versteht Sonja als kollektiven Prozess, der weit über das fertige Produkt hinausgeht.

Auch jede Ausgabe des Grafikmagazins ist ein gemeinschaftliches Austesten von Möglichkeiten, bei dem Redaktion, Gestalter:innen und Produzent:innen zusammenkommen. „Jede Ausgabe ist ein Gemeinschaftswerk“, das auch an die Grenzen einzelner Gewerke gehen kann. Dazu stellte Sonja verschiedene Ausgaben und deren Cover vor, bei denen viel experimentiert wird. Bis hin zu einer Riso-Edition, die mit diesem Aufwand in kommerzielleren Kontexten kaum möglich gewesen wäre.

Den Reiz von Print-Publikationen brachte eine Studentin in der anschließenden Diskussion. ganz gut auf den Punkt: „Das schöne an einem analogen Magazin ist für mich die Beschränkung. Ich kann nicht gleichzeitig 20 Tabs offen haben, ich muss mich fokussieren.“ Sonja griff diese Perspektive aus Perspektive der Redaktion auf und betonte auch die eigene emotionale Dimension: „Print ist immer mit einer ganz starken Vorfreude verbunden.“ Es ist der Moment zwischen Entwicklung und fertigem Objekt, der im digitalen Raum oft verloren geht.

Für Sonja ist Designjournalismus, bzw. ihre Tätigkeit eine Praxis, die Nähe herstellt, die Begegnungen schafft. Zentral dabei ist ein Einfühlungsvermögen, um die oft intimen Einblicke in kreative Prozesse und Zukunftssorgen unterschiedlicher Designer*innen sichtbar zu machen. In dieser Verbindung von Reflexion, Materialität und Gemeinschaft zeigte der Abend eine Perspektive auf Gestaltung auf, die eng an Fragen der Ausbildung und Praxis anschließt und Print nicht nur als eigenständigen Denkraum sondern als Community behauptet.

Danke VILLIBALD und Sonja!

Text: Sebastian Freudenberger
Fotos: Amelie Baumer

5. Juni 2026