Wie druckt man ein Märchen in 3D? – oder: Wenn aus Daten Formen werden

 

Haben Daten eine „Gestalt“?

… und kann man die ausdrucken? – Was geschieht, wenn Informationen Form annehmen? Und was sagt ein Objekt über Listen, Zahlen, Texte … über jede Art Daten-Material?

Solche Fragen haben sich noch nicht allzu viele Menschen gestellt. Jetzt untersucht das eine Kooperation des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit der Fakultät Design der TH Nürnberg.

Eine Pressekonferenz zur Langen Nacht der Wissenschaften 2019 präsentierte auch Yves Ebnöther … das Modul CGO … und einen echten Grenzgang zwischen Informatik und Design

 

Ein Grenzgang zwischen Informatik und Design

Ein halbes Jahr lang wird ein 3D-Drucker in der Langen Gasse in Nürnberg – anlässlich der Ausstellung „Aller Anfang ist schön“ – kleine Objekte plotten. Und: Man kann ihm über eine eigene Webcam zusehen: live und bei der Arbeit.

Die Formen, die entstehen, sind ganz verschieden: mal gezackt oder gewellt, mal Türme oder Torten wie Diagramme, mal ausladend wie Bäume. Doch das verdankt sich nicht dem Zufall – oder einem kreativen Eingriff. Sie zeigen Daten und Datenverarbeitung, statistische Auswertungen und Beziehungen zwischen verschiedenen Quellen. Denn genau danach richten sich die Ausschläge des Druckers.

 

Gleichgültig ob Märchen, Speisekarten, Gesetzestexte oder Wetterdaten …

Aber was soll das?

So könnte man beispielsweise einen Wikipedia-Artikel über die Birne auf seine Verteilung von Konsonanten und Vokalen hin analysieren und diese Verteilung in eine dreidimensionale Form übersetzen.

Oder man scannt Goethes „Faust“ nach dem Namen „Mephisto“. Wie oft kommt er vor und wo – und wie verteilt er sich über den Text?

Wie zeigen sich die Steuerdaten eines Unternehmens?

Und: Bringt uns das eine Erkenntnis? Gewinnen wir dadurch neue Einsichten?

 

Eine Spielerei? Nein, viel mehr … ein Ansatz

Denn die kleinen Objekte werfen große Fragen auf:

Wie lassen sich Daten versinnlichen? Was ist der Kern einer Datensammlung? Welche Strukturen verbergen Datenströme und was liegt ihnen zugrunde? Wann verlieren Daten ihre Bedeutung und wodurch gewinnen sie sie zurück?

Ergibt sich vielleicht sogar ein neuer Zugriff durch eine neue Form? Denn historisch betrachtet ist es ja noch gar nicht so lange her, dass man beispielsweise Illustrationen oder Grafiken nutzen kann, um Sachverhalte oder Wissen nachvollziehbar zu machen.

Datenvisualisierung spielt eine wichtige Rolle in der Wissensgesellschaft. Neu ist das Objekthafte und Räumliche … Und so denken wir vielleicht schon bald mithilfe von kleinen Skulpturen über Verkehrsströme, Armutsberichte oder den Klimawandel nach … und ziehen ungewöhnliche Schlüsse daraus, die zu neuen Ideen und Lösungen führen.

 

Mehr zu allen anderen Mitwirkenden und Projekten und dem Kontext dieses Angebots … hier …

 

Text: Max Ackermann

Fotos: Presseerklärung/ Pressemappe der Langen Nacht der Wissenschaften 2019 – Yves Ebnöther