KICKoffDAYS 2019 – Ein Blick zurück voraus

Workshop „Folien- und Materialexperimente“ mit der Firma KURZ (Foto: Christine Albert)

Wie oft muss etwas stattfinden, um einem wie eine Tradition vorzukommen? Die KICKoffDAYS sind jedenfalls schon so etwas:

Gut eingeführt. Nützlich. Offenbar inspirierend …

Kaum zurück an der Fakultät und dann schon … „Kick-off“? – Aus dem Sport, schweizerisch: „Anstoß beim Fußball“ – oder international „… im American Football oder Rugby“. Unter anderem auch aus dem Jargon der Wirtschaft, als „Auftaktveranstaltung für ein neues Projekt oder ein großes Vorhaben“. Und genau das ist es. Das beschreibt sie, die KICKoffDAYS.

Gleich ein paar Tage lang, schon vor Beginn der Vorlesungen und Seminare, immer zum Start jedes Wintersemesters gibt es an unserer Fakultät eine ganze Reihe an Events, an Vorträgen, Workshops, Exkursionen und Briefings … zum Schwung holen oder Anlauf nehmen für den Rest des Studiums oder das Leben als Designer.

Das Spiel beginnen …  mit Großprojekten, Businesstipps oder Trips ins Digitale, mit Experimenten, dem Selbermachen oder überraschenden Begegnungen mit Weltmarktführern … mit Kontakten, geballtem Wissen, Außeneinflüssen und vielen Einblicken …

Die Fakultät Design begrüßt …

Immer zu Beginn des Semesters: Mal alle da! (Foto: Matthias Mühlhausen)

Und erneut …

… die „Auftaktveranstaltung“ im großen Hörsaal, eng gedrängt und dicht gepackt, zusammen mit allen Studierenden, Mitarbeitern und Professoren …

… sowie das kulinarisch-freundliche „Meet and Greet“ der Fachschaft Design.

Erstsemester wundern sich und fühlen sich hoffentlich gut aufgenommen. Die Rückkehrer aus dem Praktikum finden sich wieder ein. Und auch die anderen beginnen das neue Halbjahr mit Personalia und Infrastruktur, Hinweisen auf Abläufe, Regeln und Erwartungen, auf neue Aufgaben und Chancen, aber ebenso mit Gesprächen über den Urlaub, die Wohnsituation, Praktika und Jobs, über Module und neue Seminare.

Dann das übliche „Mentorentreffen“ zu Anfang des Semesters. Eine kurze Begegnung der Studierenden mit den Mentoren, die ihnen zugeteilt wurden. Denn: Was ist eigentlich dieses Mentorensystem unserer Fakultät? „Professorinnen und Professoren als persönliche Ansprechpartner und Unterstützer in allen Belangen rund um das Studium“ …? Wie kann das helfen … als direkter Draht und kurzer Weg? – Wozu taugt das? Welche Vorteile bietet es? Und welche Erfahrungen gibt es schon?

Neue Räume … und Neues in bekannten …

Tage der offenen Tür und Workshops in ein paar frisch erschlossenen Räumen … Auch ganz Neues in bekannten Räumen.

Einmal kurz hineingesehen in den neuen „Wissenschaftlichen Arbeitsraum/Typografie“ im ersten Stock des Gebäudes. Ein Zimmer, in dem in Zukunft die Redaktionen der Fakultät arbeiten können, ganz konzentriert und auch mal länger. Denn hier kann man über komplexen Aufgaben brüten, zum Beispiel die Gestaltung unseres Fakultätsmagazins auch gut_ Design und Denken.

Mal selber Sounds bauen mit The Maschine (Screenshot – Walter Mehl)

Und im Erdgeschoss, feierte ein neuer, ein weiterer Ort für Sounddesign, Sprachaufnahmen und Musik seine Einweihung: das Tonstudio II (CaVe) vor allem für Projekte aus CAST und Verbaler Kommunikation. Und dann gab es gleich ein paar Workshops darin, zu DIY Noise/ Art/ Precision … Digital Drums … Drum Patterns …  Harmonic Beat … und Sampling mit neuer Hardware und all den Möglichkeiten der digitalen Produktion.

Nebenbei, auch das alte Tonstudio wurde eifrig bespielt … denn hier rockte Steve Wühr, Musiker, Klangtüftler, Songwriter und Arrangeur, mit seinem Angebot „Band In The Box“.

Der Illustrator Johannes Stahl vermittelte in unserem Drucklabor „Risographie-Technik für Einsteiger“. – Fanzines? Plakate? DIY? – „Riso? Das Analogste am Digitalen“, ein elektronisches Printer-System für analoge Ergebnisse.

Und die brandneue studentische Webredaktion traf sich im „Aquarium“ des DTP-Labors und dachte über Themen nach, die allen auf den Nägeln brennen. Auch darüber, wie man nun mit Social Media-Angeboten umgehen will, um all dem, was hier geschieht, endlich mal die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die es verdient.

Lust am Experiment …

Kreative Raster – Analog Algorithm (Grafik: Christoph Grünberger)

Mit seiner „Grid Odyssey“, genannt: „Analog Algorithm – Source-Related Grid System 2019“, gab Christoph Grünberger Einblicke in die Rolle generativer Entwurfsmethoden. Anhand des eigenen Arbeitsprozesses, seiner Forschung und seinem neuesten Buch fragte er: Was leistet ein Algorithmus, die Maschine, die „Künstliche Intelligenz“? Und was der Mensch? Oder inwiefern helfen Raster, Muster und Auswahlprozesse der Kreativität auf die Sprünge?

Ein mit CNC gefräster Stuhl im Urban Lab (Foto: Yves Ebnöther)

Und sonst? – „CNC (Computerized Numerical Control) Maschinen sind Werkzeugmaschinen, die durch moderne Steuerungstechnik in der Lage sind, auch automatisch komplexe Formen und Werkstücke mit hoher Präzision herzustellen.“ – Der Kommunikationsdesigner und Berater Chris Herrmann zeigte anhand seines Vortrags „CNC-Fräse für den Möbelbau im Urban Lab/ Z-Bau“ inwiefern sich das Urban Lab im Z-Bau (dem Haus für Gegenwartskultur) als ein Ort der Vernetzung begreift. Allen Interessierten, auch den Studierenden, soll dort ein niederschwelliger Zugang geboten werden, zu Werkzeugen und Maschinen, doch obendrein zu vielen Formen der digitalen Fabrikation. Ganz im Sinne eines MakerSpace oder der internationalen FabLab-Bewegung.

 

Nah an am Modul Raum- und Eventdesign aber auch an CGO erfuhr man von „Folien- und Materialexperimenten“ eines Weltmarktführers („Dünnschichttechnologie mit über 5.000 Mitarbeitern“). Annie Kuschel, Senior Design Managerin der Firma Leonhard KURZ, stellte zusammen mit der Studierenden Julia König neue Werkstoffe und Materialkombinationen vor, auch solche zum Trend-Thema „Skin“.  – Experimentiert wurde mit ungewöhnlichem Lacken und Folien-Varianten. Hier konnte man mit verschiedenen Oberflächen und Stoffen werkeln und einmal selbst ausprobieren, was so alles machbar ist. Durch Erhitzen, Prägen und Bekleben auf Papier, Karton und Plastik entstanden Collagen, frische Muster und auch viele „happy accidents“.

„Lesen oder nicht lesen?“ – Über ungewöhnliche Typografie diskutieren (Foto: Tilman Zitzmann)

Ein großer Typografie-Workshop dauerte gleich mehrere Tage lang … „read me – read me not: Typedesign im Grenzbereich zwischen Formästhetik und Decodierbarkeit“. Hier kreierte und arbeitete man gemeinsam mit den Designerinnen und Schriftgestalterinnen Christina Bee und Sandra Winter.

Und der Fotograf und Fotografie-Dozent David Hartfiel testete in seinem Angebot „Streetfotografie“ die Rolle „Emotionaler Schlüsselbilder“ im Rahmen einer fiktiven Reportage.

Sowas von Praxis …

Aus der Praxis plaudern (Foto: Burkard Vetter)

Der Verbund der ehemaligen Studierenden unserer Fakultät, der DesignVerein, offerierte … „Leben als Designer: Zukunftsfragen, Stundenlohn und Work-Life-Balance“. In diesem Zusammenhang berichteten der Fotograf Sebastian Lock und der Designer Lenard Graf,  zwei Absolventen und engagierte Mitglieder im Verein, von ihren eigenen Erfahrungen. So diskutierten sie mit den aktuell Studierenden über das, was nach dem Studium kommt. Die wichtigsten Fragen waren dabei … Welche Erwartungen haben wir an das Leben als Designer? – Und welchen Realitäten muss ich mich stellen? – Was ist gar nicht so schlimm? Und was kommt übler, als man denkt? – Wie kann ich meinen Kunden helfen? Und wie „erziehe“ ich sie in Sachen Anspruch und Design? – Selbständig oder angestellt? Wie finanziere ich mich? Und was kann ich verlangen?

Philipp Heitsch, Geschäftsführender Gesellschafter der Designliga, eines Büros für Visuelle Kommunikation und Interior Design in München, vermittelte in seinem Workshop „Zwischen Theorie und Praxis. Briefing, Angebot und Rechnung“ wie sich das Folgende zu den ersten Briefings verhält und worauf man achten sollte, wenn es einerseits um ein besseres Verständnis, andererseits ums Geld geht.

120 Mitarbeiter (Fotografen, Filmer, Grafiker, Interaktionsdesigner, Texter und
Eventprofis …), 1200 Projekte im Jahr, und ein Ansatz und eine Struktur, die erfreulicherweise Ansatz und Struktur unserer Fakultät ähneln  … Die Erlanger hl-studios stellten sich vor und das gleich in mehreren Veranstaltungen und Formaten. So präsentierten sie ihre Variante der Industriekommunikation, erklärten das erste deutsche Hybrid-Studio für CGI, Foto und Film und erzählten von ihren Visionen und Erfahrungen mit der Verschmelzung unterschiedlicher Design-Disziplinen.

Aus der Lehre in die Welt …

Einige Module nutzten die Zeit zu Beginn des Semesters auch schon für die Arbeit an größeren Vorhaben, für erste Teamtreffen oder die Vermittlung von Grundlagenwissen:

„Herzdruckmassagen. Eine Kampagne für Schüler“ … Eine kurze Geschichte der Titelsequenz“ … Die Geschichte des Musikvideos“ … „Filme vorbereiten für Netflix, Amazon Prime und CineCittà?“ … etc. etc. etc.

Und all das oder noch mehr zum Nachlesen …

… und Grämen, dass man nicht dabei war … Hier noch als pdf zum Download, der gesamte Katalog mit allen Veranstaltungen im Überblick.

Ein Blick zurück voraus. Denn: Im nächsten Winter sollen sie ja wiederkommen, die KICKoffDAYS .

 

Text: Max Ackermann

Fotos: Christine Albert, Yves Ebnöther, Christoph Grünberger, Walter Mehl, Matthias Mühlhausen, Burkard Vetter, Tilman Zitzmann