
Der Johannisfriedhof zählt zu den bedeutendsten historischen Begräbnisstätten Deutschlands: Seine gegossenen Bronzeepitaphien — jedes ein Unikat außergewöhnlichen Handwerks — erzählen von Patriziern, Handwerkern, Künstlern und Gelehrten aus fünf Jahrhunderten Nürnberger Stadtgeschichte. Wie lässt sich dieses verborgene Erbe digital erlebbar machen?
Dieser Frage sind im Sommersemester 2026 zwei Studierendenteams in interdisziplinären Praktikum der Fakultäten Design und Elektrotechnik Feinwerktechnik Informationstechnik (EFI) nachgegangen. Die Projektidee entstand aus einer Initiative von Dr. Antonia Landois vom Stadtarchiv Nürnberg und Prof. Tilman Zitzmann — die Studierenden arbeiteten damit an einer Aufgabe mit realem Praxishintergrund und echten Ansprechpartnern. Im Kurs Digital Experience Design (Prof. Tilman Zitzmann) entwickelten Design-Studierende gemeinsam mit Studierenden des Bachelorstudiengangs Media Engineering aus dem Usability Engineering (Prof. Dr. Sonja Schneider, Prof. Dr. Patrick Harms, Katrin Proschek) klickbare Figma-Prototypen einer Smartphone-App für den St. Johannis Friedhof.
Die Prototypen ermöglichen die gezielte Suche nach Gräbern und Namen, bieten eine interaktive Karte mit Routenplanung — inklusive barrierefreier Wege — sowie die Transkription der historischen Epitaphien direkt vor Ort. Vor allem aber erschließen sie, was am Grab selbst kaum noch sichtbar ist: In der Datenbank des Stadtarchivs sind zu den Bestatteten alle bislang ermittelten Lebensdaten verzeichnet — Geburts- und Begräbnisdatum, Beruf, Verwandtschaftsbeziehungen. Die App macht diese Hintergründe direkt am Grab zugänglich, von Albrecht Dürer bis zu längst vergessenen Nürnberger Bürgerinnen und Bürgern.
Am 9. Juli stellten je zwei Mitglieder der Teams ihre Ergebnisse zwei besonderen Gästen vor: Dr. Antonia Landois, die am Stadtarchiv das Projekt zur wissenschaftlichen Gesamterfassung der Gräber und Epitaphien der historischen Nürnberger Friedhöfe leitet, und Thomas Weitzenfelder, Schatzmeister des Vereins Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur e.V. Beide gaben wertvolles Feedback aus Sicht von Stadtgeschichtsforschung und Denkmalpflege.
An den Projekten beteiligt waren Mina Bajalani, Kübra Kurga, Leonie Schindler, Susanne Mahler und Adrian Fleischmann sowie Lien Olivares, Stephanie Dörr, Aksaya Nanthakumaran, Maria Lang und Selina Nicol.


Wie es weitergeht, ist noch offen: Denkbar ist, dass die Prototypen in kommenden Semestern weiterentwickelt werden, möglicherweise bis hin zu einer lauffähigen App mit direkter Anbindung an die Gräber- und Epitaphien-Datenbank des Stadtarchivs.
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