Designers‘ Circle: Von Mode- und Grafikdesign zur Set Decoration

Die Oscar-Preisträgerin Ernestine Hipper gab beim Designers’ Circle am 25. März 2025 einen faszinierenden Einblick in die Welt der Filmausstattung. Die bis auf den letzten Platz gefüllten Reihen an der Fakultät Design zeugten von großem Interesse an ihrer Arbeit. Die Filmausstatterin präsentierte sich als sehr unaufgeregte und natürliche Persönlichkeit, die den Studierenden mit viel Gefühl und Pathos die oft herausfordernde Arbeit einer Set Decoratorin näherbrachte. Dabei scheute sie auch humorvolle Anekdoten nicht – so verriet sie mit einem Augenzwinkern, dass ihr Oscar aktuell als Türstopper diene. Sie sprach offen über die paradoxe Situation, dass ein solcher Preis auch eine Bürde sein kann: Seit dem Gewinn der begehrten Auszeichnung hat sie Schwierigkeiten, neue Aufträge zu erhalten, da viele denken als Oscar-Preisträgerin wäre sie nun unbezahlbar.

Mit dem Oscar für das beste Szenenbild für „Im Westen nichts Neues“ (2022) –den sie sich mit Christian M. Goldbeck teilte – feierte die preisgekrönte deutsche Filmausstatterin ihren größten Erfolg. Die Arbeit an diesem Film war, laut eigener Aussage, extrem herausfordernd. Die Covid-Pandemie erschwerte die Dreharbeiten erheblich, und die Filmlocation, ein ehemaliges Schlachtfeld, musste auf Blindgänger überprüft werden. Das knappe Budget erforderte viel Kreativität und Improvisationstalent. Alte Requisiten mussten mit größter Sorgfalt behandelt werden, da sie wertvoll und fragil waren.

Die Zeit war ein ständiger Faktor. Sets mussten innerhalb von nur drei Tagen aufgebaut und ebenso schnell wieder abgebaut werden. Was nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte, musste nachträglich digital bearbeitet oder durch die Kameraperspektive kaschiert werden. Dieser Akkordarbeit und der ständige Zeitdruck zeugen von der Notwendigkeit starker Nerven und großer Ausdauer, um als Set Decoratorin erfolgreich zu sein. Ernestine Hippers fotografisches Gedächtnis erwies sich bei den komplexen und detailreichen Aufgaben als unschätzbare Hilfe.

Die Zusammenarbeit mit dem*der Regisseur*in ist ein zentraler Aspekt der Arbeit als Set Decorator*in. Es ist ein ständiger Austausch von Ideen und Vorstellungen, um die Vision des*der Regisseur*in visuell umzusetzen. Manchmal werden aufwändige Dekorationen und Sets gebaut, von denen im fertigen Film nur kleine Ausschnitte zu sehen sind. Dies erfordert Flexibilität und die Fähigkeit, auch für scheinbar unbedeutende Details höchste Qualität zu liefern.

Unmittelbar nach ihrer Arbeit an „Im Westen nichts Neues“ folgte für Ernestine Hipper ein Engagement bei „Tár“, einem psychologischen Drama, das die komplexe Geschichte der fiktiven, weltberühmten Dirigentin Lydia Tár (gespielt von Cate Blanchett) und deren beruflichen wie privaten Fall erzählt. So wechselte sie direkt von der düsteren Realität des Schlachtfelds in die elegante Welt der Berliner Mid-Century-Architektur – ein thematischer und visueller Kontrast, der kaum größer sein könnte.

Am Ende hatten die Studierenden die Ehre den Oscar – den Ernestine mitgebracht hatte – selbst mal anzufassen, zu fotografieren und zu bewundern.

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Text & Bilder: Giuseppe Troiano

31. März 2025