Designers’ Night 12: OUT OF ORDER

Ein einziger Sinneseindruck

Überall Musik … der Beat auch in den Ausstellungsräumen. Farbflecke … flimmern vor den Augen. OUT OF ORDER, so lautete das Motto der diesjährigen Designers’ Night. Betriebsstörung. Außer der Reihe. Außer Betrieb. Fehler im System …

Wer jetzt an postapokalyptische Szenarien oder panisch agierende Besucher denkt, täuscht sich. Denn die Designstudierenden zeichnen in den Semesterarbeiten und Freien Arbeiten, die hier ausgestellt werden, kein düsteres Bild unserer Zukunft. Dabei wäre der erste Gedanke: Wenn mal die Technik ausfällt oder Fehler produziert, geht alles den Bach runter. Doch nicht zwangsläufig wird alles chaotisch. Vielleicht fangen wir ja an, miteinander zu reden, anders zu kommunizieren. Design ist bunt und keineswegs düster. Und es ist vor allem eines: Kommunikation.

Ab dem ersten Semester steht die Kommunikation ganz oben auf der Tagesordnung im Modul Raum- und Eventdesign. Eines von 11 Modulen, aus denen die Studenten wählen können. Dazu zählt für Prof. Christine Albert, die das Modul leitet, neben den visuellen Medien auch der Raum als eigenständige Kommunikationsform. Der Raum wird zum Medium mit dem kommuniziert wird. Sei es der Schall der DJs, der durch die Ausstellungsräume transportiert – intelligent von den Wänden gedämpft – und wohldosiert in die Ohren der Besucher geführt wird.

So kann entspannt geredet, diskutiert und gefachsimpelt werden. Denn Interpretationsspielraum lassen die Werke allemal, da trotz allgemeinem Motto, bewusst kein kuratives Korsett angelegt wird. „Für die räumliche Gestaltung hilft das Motto sehr“. So Luisa Krätzschmar vom Organisationsteam. „Es ging uns aber nicht nur um die Kommunikation über die Bilder. Sie stellen nur eine Verbindung her. Geredet wird über Gott und die Welt.“ Und das reichlich.

Die Gewinner des Designers´ Night Award 2019: Annika Eichkorn und Isabel Engelhardt mit Ihrem Werk 41° Nord.

So wird der Abend zum räumlichen Erlebnis für die Besucher. Ein Farbklecks hier, eine spannende Projektion dort, eine geheimnisvolle Skulptur da. Überall ein Erlebnis. Es wird gelacht, es wird getratscht, später wird getanzt. Ganz schön: Das museale Licht, mit dem die Werke ausgeleuchtet sind, wirft auch die Besucher in ein erhabenes Licht. Man fühlt sich wohl, wird Teil der Ausstellung.

Auch die interaktiven Installationen verstärken diesen Effekt. Sei es die VR-Simulation oder die vielen aufgestellten Bildschirme im Foyer, von denen nur ein einziger funktioniert. Darauf läuft ein Computerspiel. Wer mitspielt erinnert etwas an Nam June Paiks TV-Buddhas. Den Urvater der Videokunst. Man wird eins mit dem Bildschirm. Teil einer medialen Inszenierung. Zur Skulptur. Zum leicht verdaulichen Sendebrei für Außenstehende. Mehr noch: Ein Noema. Ein Sinneseindruck, der als Erinnerung an den Abend bleibt. So wie die treibenden Beats der Djs oder die Lippenstiftrückstände an den Gläsern.

Orga et Orbi

Oh nee, das ist jetzt kompliziert, oder? Nein, denn Kommunikation, ist immer auch Kommunikation mit dem eigenen Ich. Meditation sozusagen. Ohne tiefen irdischen Sinn. Alles in Buddha. Wir schalten einfach mal für einen Moment unser Hirn aus und verlassen den schier ewigen Ausstellungskreislauf. „Ja, das war eine runde Sache. Die Besucher sollten nicht stur von Werk zu Werk rennen“, so Natalie Buhmes vom Organisationsteam, die ein sehr positives Fazit zieht. „Die Kommunikation und das Kennenlernen untereinander stand für uns im Fokus. So ein Abend schweißt zusammen. Unglaublich wie toll alle geholfen haben. Vom ersten Semester, die für die Lichtinstallation verantwortlich waren, bis hin zur Fachschaft, die die Bar organisiert haben. Wir hatten sogar einen Foodtruck.

„Man glaubt gar nicht wieviel Arbeit das alles war. Aber am Ende hat es sich total gelohnt.“ Luisa Krätzschmar: „Neben der Ohmrolle ist die Designers’ Night das Aushängeschild der Fakultät. Hier werden die Semesterarbeiten gezeigt. Damit präsentiert sich sozusagen jedes Modul und jeder Einzelne. Eine gute Werbung für alle.“ Out of order. Betriebsstörung. Außer der Reihe. Außer Betrieb. Fehler im System … Heute Abend freuen wir uns darüber.

Weitere Bilder finden Sie unter: https://12.designersnight.de

Text: Giuseppe Troiano, Fotos: Giuseppe Troiano, Moritz Deuerlein